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Mitreden statt zuhören: Erleben Sie, wie SEED-2, Partizipation und Peers einander stärken

Früher stand die Fachperson vorne, und die Betroffenen hörten zu. Heute eröffnet bei mir eine Peer-Person den Kurs. Was sich dadurch verändert und warum SEED-2, das Stufenmodell der Partizipation und der Peer-Ansatz so gut zusammenpassen.

Jan Schirmer Sexualpädagogik -Sexualität trotz Beeinträchtigung GmbH
Vor Ort, Schweiz

Als ich noch angestellt war, durfte ich bei einer Weiterbildung für Menschen mit Beeinträchtigung dabei sein. Das Thema betraf sie direkt. Trotzdem war das Bild klar: Vorne stand eine Fachperson und erklärte. Die Teilnehmenden sassen da und hörten zu. Es wurde über ihre Lebenswelt gesprochen, aber kaum mit ihnen.

Damals fiel mir das gar nicht besonders auf. So lief es eben.

Und ehrlich gesagt: Auch ich habe es am Anfang meiner Selbstständigkeit nicht anders gemacht. Ich habe meine Weiterbildungen fürs Klientel selbst eröffnet. Ich habe begrüsst, ins Thema eingeführt. Die Peer-Person kam danach dazu.

Heute ist das anders. Heute eröffnet die Peer-Person den Kurs. Sie begrüsst, sie führt ein. Und während des Kurses ergreift sie ganz selbstverständlich das Wort, schaltet sich ein, ergänzt, widerspricht und erzählt aus ihrem eigenen Leben.

Dabei entstehen Perspektiven, die ich nicht haben kann. Auch nicht mit Studium, CAS und einigen Jahren Praxiserfahrung. Denn ich weiss viel über Sexualität und Beeinträchtigung. Die Peer-Person weiss, wie es sich anfühlt.

Dass diese Zusammenarbeit funktioniert, ist kein Zufall. Drei Werkzeuge greifen dabei ineinander.

1. Das SEED-2: Verstehen, wo jemand emotional steht

Das SEED-2 hilft, das emotionale Entwicklungsalter eines Menschen einzuschätzen. Manche Teilnehmende brauchen vor allem Sicherheit, Nähe und klare Struktur. Andere sind emotional so weit, dass sie eigene Meinungen bilden und mitgestalten wollen.
Das SEED-2 zeigt uns also, welche Form von Beteiligung für wen passt. Für die einen ist es eine Wahl zwischen zwei Bildkarten, für die anderen ein eigener Beitrag.

2. Das Stufenmodell der Partizipation: Ehrlich klären, wie viel Mitsprache da ist

Das Modell nach Wright, Block und von Unger beschreibt neun Stufen, von der Instrumentalisierung über Information und Anhörung bis zu Mitbestimmung, Entscheidungsmacht und Selbstorganisation.
Wenn ich meinen eigenen Weg damit anschaue, wird es konkret: Die Weiterbildung von damals lag auf der Stufe «Information». In meinen ersten eigenen Kursen war die Peer-Person zwar dabei, aber den Rahmen setzte ich. Heute eröffnet sie den Kurs und gestaltet ihn mit. Damit sind wir bei echter Mitbestimmung angekommen.
Das Stufenmodell zeigt also, wie weit Beteiligung wirklich geht. Und es hilft, auch die eigene Arbeit ehrlich zu prüfen.

3. Der Peer-Ansatz: Sprechen auf Augenhöhe

Wenn eine Person mit ähnlichen Erfahrungen den Kurs eröffnet, verändert sich der Raum. Teilnehmende erleben: Jemand wie ich darf hier sprechen, und das, was ich erlebe, zählt. Plötzlich werden Fragen gestellt, die einer Fachperson allein vielleicht nie gestellt würden.

Warum die drei einander brauchen

Erst im Zusammenspiel entfalten sie ihre volle Wirkung:
– Das SEED-2 macht Partizipation passend. Mitbestimmung sieht für jemanden, der emotional Sicherheit sucht, anders aus als für jemanden, der Unabhängigkeit erprobt. Beides ist echte Beteiligung, wenn sie zur Person passt.
– Das Stufenmodell schützt den Peer-Ansatz vor Alibi-Beteiligung. Es fragt ehrlich: Darf die Peer-Person mitentscheiden, oder sitzt sie nur daneben?
– Peers schärfen die SEED-Brille. Sie erkennen oft schneller, was hinter einem Schweigen, einer Frage oder einem Verhalten steckt, und bauen eine Brücke zwischen Fachwissen und Lebenswelt.

So wird aus drei Werkzeugen eine Haltung:
Wir verstehen, wo jemand steht. Wir geben Mitsprache ehrlich ab. Und wir lassen die sprechen, die es selbst erleben.

Kommen Sie mit uns ins Gespräch

Vielleicht erkennen Sie sich in meinem Rückblick wieder. Als Organisation oder Angehörige, in der Weiterbildung oder Beratung. Als Team, das Partizipation ernst nehmen möchte und nach dem richtigen Weg sucht. Oder als Mensch mit Beeinträchtigung, der selbst mitreden will.

Genau das können Sie an der Swiss Abilities am 12. und 13. März 2027 erleben. An unserem Gemeinschaftsstand mit sebit schweiz und dem Verein myPeer treffen Sie Fachwissen und Peer-Erfahrung an einem Ort. Kommen Sie vorbei, stellen Sie Ihre Fragen und erleben Sie, wie Beteiligung auf Augenhöhe klingt.

Oder nehmen Sie schon vorher Kontakt mit mir auf, telefonisch unter 079 407 20 00 oder per Mail an kontakt@janschirmer.ch.

Wer eröffnet Ihre nächste Weiterbildung/Beratung?

SEED-2: Sappok et al., weiterentwickelt aus dem SEO nach Došen. Stufenmodell der Partizipation: Wright, Block & von Unger.

Ihre Kontaktperson

Jan Schirmer

Jan Schirmer

Sozialpädagoge FH, Fachperson: Sexualität mit Beeinträchtigung

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